Gemischtgeschlechtliche Klettergruppen – wie vermeidet Mann Fettnäpfchen?

Der Trend ist klar erkennbar: beim Klettern und Bouldern sieht man immer öfter gemischtgeschlechtliche Gruppen zusammen herumziehen (sogar Zweiergruppen wurden unbestätigten Gerüchten zufolge schon gesichtet). Das bringt natürlich einige Risiken mit sich, die Mann sich bewusst machen sollte, ehe er mit einer Arschbombe in das ein oder andere Fettnäpfchen einen schönen Klettertag riskiert.

Die klassische Rollenverteilung “Ich Tarzan, Du Jane” mit dem Mann als Alphatier, der die schwache Frau zu beschützen hat, trifft ja nicht mehr uneingeschränkt auf gesellschaftliche Zustimmung. Dass Kletterinnen Wert darauf legen, eben so leistungsfähig, robust und belastbar (=”emanzipiert”?) zu sein, wie die männlichen Mitkletterer, macht die Sache für uns Männer auch nicht einfacher. Wie sollen wir unsere Rolle definieren und ausgestalten? Als “Oben-ohne Kletterer”, fest verwurzelt im urmännlichen Archetyp? Oder doch lieber als Chalkbag strickende Softmover? Was wollen unsere Mitkletterinnen und Mitboulderinnen?

Wie viel “Knigge” ist noch erwünscht? Was wird da gefordert? Um in diesen für uns alle (Männer) schweren Zeiten etwas weniger orientierungslos durch die Geschlechterfronten zu kommen, möchte ich hier ein paar Tipps, Hinweise und Diskussionsgrundlagen anbieten! Wenn Du eigene Erfahrungen (gute wie schlechte!) gemacht hast, dann ergänze doch bitte zu unser aller Vorteil diesen kleinen Beitrag!

Gut, auch der unerfahrene “mixed”-Kletterer weiß mittlerweile, dass es gewisse Vokabeln und Sätze gibt, die einen schönen, sonnigen Klettertag schnell in das Gegenteil umschlagen lassen können. Zur Erinnerung – folgende Sätze kommen beim Klettern selten gut an (Warum? Keine Ahnung, ich habe nur bemerkt, dass es ohne diese Standardsätze irgendwie besser geht):

  • “Du musst an der Stelle nur…..”
  • “Mach doch einfach……”
  • “….einfach….”
  • “Ich habe an der Stelle….”

Diese Probleme setzen jedoch voraus, dass man schon am Fels ist. Der Weg dorthin ist aber auch schon mit einigen ernst zu nehmenden Fallstricken gespickt. Will man als Gentleman alter Schule den Hauptteil der Ausrüstung schleppen, kann das schnell problematisch werden:

  • “Lass mich doch das Seil noch nehmen, Du hast ja schon so schwer zu tragen….” sowie ein gut gemeintes:
  • “Das schaffst Du doch sowieso nicht…”

…haben in Feldversuche nicht zu den erwarteten positiven Reaktionen auf das nette Hilfsangebot geführt. Also besser meiden.

Was also tun? Beim Tragen der Expressen fair teilen? Jeder trägt sechs? Wenn Du Pech hast, wird Dir das dann am Ende (!) des Tages vorgeworfen, weil sie dann doch erwartet hätte, dass Du als Mann mehr schleppst. Gut, hier kann ich eine Lösung anbieten: Immer vier Notfall-Exen heimlich im eigenen Rucksack verstecken, die Mann dann im Fall der Fälle als Beweis seiner vorbildlichen, gentlemanmäßigen Einstellung vorzeigen kann. Es kann aber auch sein, dass der Vorwurf kommt, dass Mann ihr nicht genug zutraue. In Anlehnung an den vorherigen Tipp sollte Mann also auch immer vier Notfall-Exen heimlich in ihrem Rucksack verstecken.

Einfacher ist das bei dem Seil. Nein, die Standardlösung, dass Männlein und Weiblein je einen Henkel der Ikea-Tüte tragen, ist wegen der Größenunterschiede nicht zielführend. Hier lauern wieder ähnliche Fettnäpfchen, wie bei den Exen. Bewährt hat sich dagegen, dass jeder ein Seilende nimmt, und das Seil so fairer aufgeteilt wird. Es liegt dann ja auch an ihr, mit wie viel “Überstand” sie ihr Seilende greift. Mutige, die eventuell über das gemeinsame Klettern hinausgehende Ambitionen haben, können auch Vorschlagen, sich den Strick gemeinsam um die Schultern zu wickeln. Ist nicht nur fair, wärmt auch.

Deutlich problembehafteter ist die Frage nach der fairen Verteilung der Verpflegung. Früher war die Verteilung klar: Männer die Hardware, Frauen waren für das Catering zuständig. Diese alten Geschichten machen hier weibliche Kletterpartner(innen) sehr nervös gegenüber allen Andeutungen, dass Mann das so gut findet und gerne auch so beibehalten würde. Unerfahrene Mixedkletterer tragen hier gerne schnell mal freiwillig die komplette Verpflegung sowie die Wasservorräte an den Fels. Diese gut gemeinte Initiative wird gerne so gedeutet, dass Mann es sich für den Rückweg eben nur einfach machen möchte. OK, hier spielt uns natürlich die neue Pfandregelung ein bisschen in die Karten. Die leeren Flaschen müssen ja jetzt trotzdem wieder zurück getragen werden. Trotzdem sei hier zu Vorsicht geraten! Einen Königsweg habe ich hier selbst noch nicht gefunden – bin für Tipps aber dankbar.

Ahhhhh, Bouldern – hier ist es ganz einfach: Der Mann trägt immer und auf jeden Fall, ohne Diskussion und Ausnahme, das Crashpad:

 

Der Mann trägt immer das Crashpad!

Der Mann trägt immer das Crashpad!

 

 

Category: Bouldern, Klettern, Kurioses, Tipps

Comments (4)

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  1. Hans-Peter says:

    Gerade heraus fragen ist eine gute Lösung: Findest Du das Gewicht gerecht geteilt? Soll ich das Seil tragen? usw. Wir Männer machen uns immer noch zuviele Sorgen wegen der Rollenverteilung. Was unter Kumpels normal ist, sollte auch mit Kumpelinnen klappen. Ganz wichtig, die diversen F-Wörter zuhause lassen, denn wenn Sie nicht mit sieben Brüdern aufgewachsen ist findet sie diese Sprache nicht toll.

    Hans-Peter

  2. Flo says:

    Sehr witziger Bericht, Stefan. Weiter so! Solche Sachen liest man gerne. :-)

  3. Gerhard says:

    Sehr cooler Artikel!!!!!!!!!!!!!

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