Klettern: Therapie oder Lebenseinstellung? Ein Interview.

Klettern ist eine Lebenseinstellung! Aber für andere ist Klettern noch mehr, nämlich eine lebensverändernde Form der Therapie. Die bekanntesten Kletterer, die Ihre eigenen Herausforderungen durch unseren schönen Sport meistern konnten sind z.B. Philippe Ribiere (wir haben schon über ihn berichtet) oder der Fassadenkletterer Alain Robert. Man muss jedoch nicht so extrem (oder auch extrem berühmt) sein, um Großes zu leisten. Über unseren Trainingsnewsletter haben wir Flo kennengelernt. Er hat eine spannende Geschichte zu erzählen:

 

STEFAN:
Hallo Florian! Wir haben uns über den Klettervirus -Trainingsnewsletter kennen gelernt, Du hast mich mit einer Frage angeschrieben. Da ich Deine Geschichte sehr motivierend finde, habe ich Dich daraufhin gebeten, mit uns ein Interview zu machen. Erzähl doch einfach mal ein wenig von Dir!
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FLO:
Hallo, ich bin Flo und komme aus dem schönen Rottal-Inn. Ich hatte ursprünglich ja “nur” vor, dir Stefan, ein Dankeschön-Schreiben per Mail zu senden. Und jetzt sitze ich hier und gebe ein Interview. :) Meine Geschichte begann vor ziemlich genau 10 Jahren. Ich war 19 Jahre alt und gerade am Ende des zweiten Ausbildungsjahres, als Metallbauer(Schlosser).

Es war der 21. Februar 2003 als ich mittags einen Kreislaufzusammenbruch in meiner Ausbildungsfirma erlitt. Zumindest dachten das alle Arbeitskollegen, einschließlich ich selbst, dass es “nur” der Kreislauf wäre. Ich wurde als erstes zu meinem Allgemeinarzt gebracht, der dann nach den routinemäßigen Untersuchungen meinte: “ab ins Krankenhaus!”

Im KH angekommen, wurde gleich ein CT (Computertomogramm) meines Schädels gemacht. Es vergingen nur wenige Minuten, dann fand ich mich in einem “Gelben Engel” wieder. Mit dem Rettungshubschrauber ging es dann zu einer Spezialklinik für Gefäß- und Neurochirurgie. Als ich dort ebenso einige Tests und Untersuchungen über mich ergehen lassen musste, kam mir langsam der Gedanke, dass es wohl doch etwas anderes sein sollte, als nur der Kreislauf, wie Anfangs gedacht.

Nach etlichen Minuten des Wartens saß bzw. lag ich in meinem KH-Bettchen und die Tür ging auf. Ich dachte, endlich kommt jemand und kann mir sagen was los ist. Naja, mit vier bis fünf Ärzten eventuell sechs, hätte ich schon gerechnet, aber nicht gleich mit einem 15 köpfigen Ärzteteam. Ich sollte noch erwähnen, ich wusste auch noch nicht, wann die Visiten statt fanden. :) Nicht desto trotz, bekam ich meine Antworten! Mehr noch, ich wurde direkt gefragt, ob ich lieber eine Gehirn-OP mit nicht vorhersehbarem Ausgang oder eine, wie mir gesagt wurde, weniger schädigendere OP an mir durchführen lassen möchte.

Eins nach dem anderen! Man sagte mir, ich hätte einen Schlaganfall mit Gehirn-Einblutung erlitten. Ich dachte immer Schlaganfall-Patienten könnten nicht mehr gehen, nicht mehr richtig oder kaum mehr sprechen oder schlimmeres. Ich bin doch kerngesund – vielleicht kein Fitnessguru oder nicht sehr sportbegeistert. War ich nie! Ich war immer schon Normal-Gewichtig und lief sozusagen mit der Masse mit. Und jetzt sollte ich einen Schlaganfall haben/gehabt haben? Nach einer Gefäßverwucherung in der linken Gehirnhälfte, platzte dieses und Blut drang in das Gehirn ein.

Toll, dachte ich! Und dass mit 19 Jahren.

Später einmal sagte mir ein Arzt, so etwas käme am häufigsten auf der Toilette, beim Darmdrücken dazu, das kleinere Äderchen am oder im Gehirn aufplatzen können (natürlich bei älteren Leuten, da bin ich wohl die Ausnahme). Ich hätte lieber ein “riesiges” Hämatom am Oberschenkel oder Arm gehabt, als sowas: Gleiche Geschichte, anderer Austragungsort. Wie es sich letztendlich zugetragen hat, soll wohl ein Geheimnis bleiben. Ich entschied mich letzten Endes für die Gehirn-OP, da die reguläre „sanftere“ OP-Methode schief gelaufen ist.

Zum Glück mit keinen Schädigungen! Mit all den dazugehörigen Risiken wurde ich auf meine OP vorbereitet. Die „Risiken“, die man im Grunde immer zu hören bekommt und niemals hören will.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie ich, noch vor der OP, mit dem Infusions-Wägelchen in der linken Hand, zur Toilette spazierte, so als wäre es das normalste auf der Welt. Als tat ich nie was anderes zuvor! Man hat mir gesagt die OP sei sehr gut und mit großem Erfolg verlaufen. Nach der OP war ich jedoch rechtsseitig völlig gelähmt. Vorerst mal! Ich wurde erst mal 2 – 6 Wochen intensiv-medizinisch behandelt.

Danach vergingen weitere 3 Monate bis ich meinen Rollstuhl zur Seite stellen konnte.
Es ist ganz normal dass Patienten nach höherem/längerem Schmerzmittelkonsum Entzugserscheinungen von den Opiaten bekommen, wenn sie auf die Normalstation verlegt werden. (Entgiftung) Deshalb hatte ich nie so einen guten Draht zu den Normalstationen. :) Es ist nicht sehr leicht zu beschreiben, dieses Gefühl. :(

Ich liege also in meinem Krankenhausbett und schaue meinen rechten Arm und mein Bein/Fuß an. Sie sind definitiv da, aber ich habe keinerlei Kontrolle mehr über sie. Sie gehören mir nicht mehr! Sie liegen nur so da, wie Geh-Krücken die jemand kurz mal auf dem Bett abgelegt hat. Die Empfindung ist fast so, wie wenn Du längere Zeit auf deinem Arm oder deinem Bein gesessen hast und nur langsam Deine Geister im Fuß oder der Hand wieder erwachen. Bis auf das “Kribbeln”, das musst Du Dir wegdenken. Manche sagen: ” Jetzt ist mir mein Fuß schon wieder “eingeschlafen”! Denke dir das Kribbeln weg und konzentriere Dich vollkommen auf die Beweglichkeit deines Fußes oder Armes. Ich wünschte, ich hätte damals auch nur diese langsamen Bewegungen ausführen können! Empfindungen wie heiß/kalt, festes und leichtes Streicheln kamen ziemlich schnell wieder.
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Die KONTROLLE über die einzelnen Funktionen, wie z.B. Schreiben, Gehen, Finger auf und zu machen (Feinmotorik) usw. waren eine Sisyphusarbeit. Das sollte und darf man ruhig wörtlich nehmen! Du kommst Dir in deinen eigenen Körper wie ein Gefangener vor. :( Versuche mal Abends, wenn Du im Bett bist, deinen kleinen Zeh nach außen weg zu schieben. Ohne dass andere Zehen mit gehen und ohne dass Du eine andere Muskulatur anspannst. Alles ist locker, bis auf den kleinen Zeh. Dann versuche so lange zu üben bis Dir diese eine kleine Bewegung so leicht fällt wie Kaffee trinken. : )

Es ist eine reine geistige Herausforderung, gepaart mit Geduld! Stehen, gehen lernen, obwohl Du nie in Deinem Leben richtig BEWUSST gehen gelernt hast! Wieder schreiben lernen, nicht ganz von Anfang an, denn Du hast es ja einmal schon bewusst gelernt, Du musst es nur noch Üben. Abrufen geht nicht mehr, OP, schon vergessen? Eine Fleißarbeit mit der man nach 10 Jahren noch nicht fertig ist.

Es sind alles Dinge, die, wenn Du Dich damit nicht intensiv genug beschäftigst, dann wirst Du im Rollstuhl bleiben! Ich bekam täglich physiotherapeutische-Behandlungen im Krankenhaus und in den nachfolgenden Reha-Zentren, bis heute.

STEFAN:
Du warst also im Krankenhaus zunächst ans Bett gefesselt und hast dann hart daran gearbeitet, Dich wieder so gut wie möglich bewegen zu können? Wie ging es dann weiter?

FLO:
Ich war längere Zeit im Krankenhaus. Anschließend eine Woche auf Früh-Reha, 5 Monate in einer sehr guten neurologischen Reha-Klinik und anschließend 3 Monate in einer Reha-Klinik mit kleineren Berufsbildungs-Maßnahmen, zur Wiedereingliederung ins Berufsleben. (soweit es mir körperlich möglich war). Nach längerer Durststrecke machte ich eine Umschulung zum technischen Zeichner und habe nahtlos eine Stelle bekommen.


Ich bekam/bekomme zuhause natürlich regelmäßige physiotherapeutische Anwendungen, jetzt 3x die Woche, die auch ihren Zweck erfüllt. Die Behandlung eines chronisch Kranken, mit einem Behinderungsgrad von 60%, den man “nur” mit Massagen und funktioneller Physiotherapie behandelt, ist ein bisschen wenig, wenn man eine bessere und qualitativ höhere Lebensqualität von einem selber erwartet.

Ich habe und durfte inzwischen so viele und so liebe Physiotherapeuten kennen lernen. Dafür und für Eure Geduld mit mir, möchte ich mich hierbei herzlichst bedanken. Ihr macht eine klasse Arbeit!
Vielleicht hast Du es schon gemerkt, ich setze mir sehr gerne hohe Ziele.

IMPOSSIBLE is NOTHING! ;)
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STEFAN:
Wie bist Du dann zum Klettern gekommen?

FLO:
Auf meiner Reise durch diverse Reha´s sagte mir mal ein Patient den wunderschönen Satz: “Die Menschen, die Dich umgeben, prägen Dich”. Dieser Satz ist fast schon zu einem Leitfaden für mich geworden: :))) Langer Rede kurzer Sinn: Ich traf einmal auf eine sehr sehr herzliche und sympathische Freundin. Sie zeigte mir vor etwa 3 Jahren eine Kletterhalle in ihrem Ort. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich Höhenangst und naja meine ganz “eigenen” Handycaps mitbrachte. Wie Höhenangst, nicht gerade sehr viel Selbstbewusstsein, verkürzte Sehnen, Bänder und Muskeln, mal abgesehen von der fehlenden körperlichen Kraft, die ja auch beim Klettern sehr hilfreich ist. :)) 

Sie brachte/bringt so wahnsinnig viel Geduld mit, was ich anfangs überhaupt nicht wahrnahm. Erst als ich selber Leute sichern durfte, die zum ersten Mal kletterten, fiel auch bei mir der Groschen – allmählich. Ich habe Ihr so vieles zu verdanken! 2010 lies ich mir meine verkürzte rechte Achillessehne in einer sehr kleinen OP verlängern. Muskel- und Sehnenverkürzungen sind/können typische Folgeerscheinungen eines Schlaganfalls sein. Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und ich bin weitaus angstfreier gegenüber der Höhe geworden, als am Anfang! ;) Ich klettere im Bereich 4 bis 5, jedoch nur Toprope. Auch ein wenig Vorstieg, da schwebt die Angst vorm Fallen dann aber doch noch mehr mit. Jedoch ist mein Ziel heuer, eine 5er Route im Vorstieg zu schaffen. 

Mal sehen, was noch kommt, das Jahr ist noch jung! Klettern heißt für mich:

  • Körper und Geist auf Hochtouren zu trimmen
  • Körperwahrnehmung zu trainieren und zu steigern
  • sich 110% einem Gedanken/einem Projekt/einer Route hinzugeben

Auch der FUN-Faktor ist mir ebenso wichtig wie das Übrige. Sonst ginge ich nicht 3x die Woche in die Halle. :)

STEFAN:
Wie muss ich mir Deine Einschränkungen heute vorstellen?

FLO:
Ich habe eine Fuß-Heber-Schwäche, rechtsseitig. Meinen rechten Vorfuß kann ich nur 90°, also lediglich nur bis zur Nullstellung (siehe Bild, nach Muskel-/Sehnenverlängerungs-OP) selbstständig beugen, aktiv also. Passiv ist mein Fuß bis zu 110° beweglich. Das Ungleichgewicht sieht man am Gang-Bild, mal mehr, mal weniger gut. Kommt drauf an wie intensiv ich gerade Sport treibe. Mit meiner rechten Körperhälfte kann ich mich nicht so bewegen wie mit meiner linken Körperseite. Es herrscht ein stetiges Ungleichgewicht in meinem Körper.

In der Kletterhalle sieht das dann ziemlich einseitig aus.

Klettere mal nur mit deinen linken Arm und linken Bein. Deinen rechte Arm und Fuß darfst Du lediglich als Stütze, also passiv, benutzen. Mit dem Fuß kann ich mich lediglich abstützen, mehr nicht. Probiers mal aus, dann hast Du eine Ahnung wie ich mich so zu recht finde, in der Halle.  Man sieht es mir nicht mehr auf den „Ersten“ Blick an, aber wenn man genauer hinschaut, dann sieht man schon noch, dass ich mit meiner rechten Seite einfach noch Einschränkungen habe. Auch wenn sie nicht wirklich, dramatisch sind. Es ist „jetzt“, im Vergleich von, vor 9-10 Jahren, nicht mehr als ein kleiner Schnupfen. Wenn man bedenkt, dass ich anfangs drei Monate im Rollstuhl saß, ist das kein Vergleich.

Wenn ich mal ´nen schlechten Tag habe, hinke ich mal mehr, mal weniger. Aber in der Fußgänerzone oder in der Stadt fällt´s kaum mehr auf. Vielleicht fällt es aber auch auf und ich merk ´s bloß nicht. Jedenfalls ist es nicht mehr mein Thema Nummer 1 beim ersten Date. :) 4

STEFAN:
Was kannst Du, was bereitet Dir Schwierigkeiten?

FLO:
Ich mache im Grunde all dass, was mir Spaß macht! Ich werde immer in meinem Leben einige Einschränkungen haben. Das ist mir bewusst. Zum Beispiel fahre ich ein Automatik-Auto; ohne geht’s nicht! Das Radfahren würde mir echt Spaß machen, ist jedoch auch mit sehr viel Fleiß verbunden, da ich mich auf meinem rechten Fuß, die Straße und gleichzeitig auf mein Gleichgewicht konzentrieren muss. Ich trainiere für nen Hobbylauf (5km), der Mitte April statt findet.
 
Ich gehe 3x die Woche zu meinen Physiotherapeuten und trainiere vor- oder nachher Kraft, Gleichgewicht und Ausdauer.

Dreimal die Woche bin ich in der Kletterhalle. Ich versuche mein inneres Gleichgewicht zu trainieren. Jeder Kletterer kennt den Punkt, wenn man das innere Gleichgewicht verliert. Nur 5mm zu weit rechts, ein wenig zu weit vor und weg bist Du. :) Dieses Spiel mit dem inneren Schweinehund raubt mir noch am meisten meine Kraft, denke ich. Und sonst versuch ich meine Lauffreunde im Lauftreff ned zu sehr zu ärgern. :)

STEFAN:
Welche Vorteile hast Du durch Deine spezielle Situation?

FLO:
Stefan! Ich hab jetzt keinen blassen Schimmer was Du mit Vorteile meinst? Ob des a Vorteil ist, überlasse ich den Lesern. Vielleicht ist es meine Ansicht, mein Blickwinkel, und meine durchweg positive Einstellung bei Schwierigkeiten oder schlimmen Dingen doch noch das eine kleine Positive zu sehen, über das viele andere Menschen hinwegsehen. Geduld und Willensstärke! Es ist komisch, sowas von sich selbst zu behaupten. Klingt irgendwie hochnäsig. Aber es muss wohl stimmen, denn wenn ich kein geduldiger und willensstarker/verbissener Mensch wäre, dann fürchte ich, wäre ich immer noch im Rollstuhl.
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STEFAN:
Was bereitet Dir mehr Schwierigkeiten, als anderen?

FLO:
Bezogen aufs klettern jetzt! Ich glaube, da ich zum größten Teil mit meinem Oberkörper klettere, bewege ich mich sehr unökonomisch und kräfteraubend, weil ich meinen rechten Fuß lediglich zum Abstützen und nicht aktiv zum Wegdrücken benutze und auch nicht mehr kann. Ich schätze mal, das kraftsparende Klettern bezogen auf Technik und richtige Positionierung meiner Beine, bereitet mir auf jeden Fall noch die größten Schwierigkeiten.

STEFAN:
Was sind Deine Ziele beim Klettern und im Leben?

FLO:
Ich möchte Ende diesen Jahres eine 5er Route im Vorstieg steigen können. Meine Ziele im Leben? Eigentlich das, was jeder, meiner Meinung nach wollen sollte. Eine/n Partner/in finden, der/dem man blind Vertrauen schenken kann, glücklich sein kann zu zweit.

STEFAN:
Wo möchtest Du gerne einmal klettern?

FLO:
Oh, darüber hab ich noch gar nicht so recht nachgedacht? Da ich mich ja noch eher sehr stark in Hallen bewege. Aber heuer versuche ich mich als „Anfangszuckerl“ erst mal an Klettersteigen.

STEFAN:
Steigst Du schon vor?

FLO:
Ich bin schon eher der Toprope-Kletterer (4 bis 5), aber sehr leichte 4er als Vorstieg gehen schon.

STEFAN:
Was bedeutet das Klettern für Dich und Dein Leben als Ganzes?

FLO:
>Klettern ist wie Abnehmen< Wenn man´s richtig macht! Klettern ist für mich eine Lebenseinstellung geworden. Durch und Durch! Mit dem Klettern bin ich fitter, vitaler, durchtainierter als zuvor. Die Muskeln sind die Airbags unserer Knochen, trainiere deine Muskeln und Du stärkst zugleich deine Knochen.

Vor vier Jahren, als ich noch kein „Chalkbag“ und keinen „Hook“ kannte, war ich enorm unbeweglich. Und Koordination konnte ich lediglich schreiben. Die Stunden in der Woche, die ich im Fitnessstudio, bei meinen Therapeuten und auf den Laufwegen verbringe, sind lediglich das eigentliche Training für meine Kletterstunden in der Woche.
 
Diese Sportart gibt mir Motivation zu mehr Gelassenheit, mehr Selbstvertrauen, mehr Durchsetzungsvermögen und sehr viel Freude daran, nette Menschen kennen zu lernen. Einfach eine tolle Sache.

STEFAN:
Wer motiviert und inspiriert Dich? Wen motivierst und inspirierst Du?

FLO:
Hmmm… Wir wissen alle, Nicht jeder Tag ist gleich. Nicht jeden Tag scheint die Sonne. Ich hole mir bei besonderen Menschen Motivation. Menschen, die eine besondere Sympathie ausstrahlen oder eine besondere Einstellung zu Dingen im Leben haben, die mich einfach ansprechen. Wie z.B. „Alain Robert“ oder die „Huber Buam“. Jeder von Ihnen jagt seinem eigenen Traum nach. Immer und immer wieder. Es ist eine Sucht, die seines Gleichen sucht!

Alain Robert erklimmt die höchsten Wolkenkratzer der Welt, FREE SOLO. Da könnte man noch sagen, ein Irrer mehr auf dem Planeten, oder? Ich sage einfach: „Spektakulär“!!! Wenn ich in diesem Leben solch ein Vertrauen in mich und meinen Körper setzen kann, dann bin ich wahrhaftig geheilt. Ich weiß nicht recht, wen ich motiviere und inspiriere? Darüber denkt man nicht alle Tage nach. :) Ein sehr guter Freund, ein Sandkasten-Freund darf ich ruhig behaupten, holte sich schon öfters, denke ich, Motivation bei mir ab. Anerkennung ist schön, zu viel davon ist weniger gut – zumindest für mich. Ja, einige Leute sagten schon mal zu mir, wie gut ich dahinter sei und sowas.

STEFAN:
Womit bist Du heute zufriedener und glücklicher als vor Deiner OP?

FLO:
Heute habe ich eine sehr viel größere und wertvollere Lebensqualität. Meine Ansichten und Sichtweisen zu meinen gesamten Leben sind positiver und glücklicher. Ich kann ehrlicher lachen als zuvor. Ich erkenne den Unterschied zwischen Recht und Unrecht viel schneller und klarer. Und ich kann Menschen besser einschätzen, Freunde, echte Freunde von unechten unterscheiden. Ich dachte mir schon öfter, wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre, die Menschen nicht getroffen hätte, dann wäre ich jetzt vielleicht ein eitler, eingebildeter, traurigerer Mensch als ich jetzt bin.

STEFAN:
Welchen Anteil hat das Klettern an Deiner Entwicklung?

FLO:
Ich werde niemals die Herzlichkeit und Freundlichkeit von so manchem/er Kletterer/in vergessen! Es ist, als gäbe es einen unausgesprochenen Codex in den Kletterhallen und bei den Kletterern, so finde ich. Die gegenseitige Freundlichkeit und Harmonie. Ein Ort an dem man gerne seine freie Zeit verbringt.

Wenn Du einen Scheiß Tag hinter Dir hattest und nach der ersten Route Dein Kletterpartner zu Dir sagt: „Du weißt, Schweiß ist NUR Angst, die den Körper verlässt“, :))) dann kann´s kein so schlechter Tag sein, dass mir kein Grinsen über die Lippen kommt. In diesem Sinne, viele liebe Grüße, Flo ;)) Ps. Alain Robert ist ein Epileptiker, er könnte jeder Zeit einen epileptischen Anfall bekommen, wenn er sein irrwitziges Hobby ausführt. In einer Reportage meinte er mal: „Alleine mein Adrenalinspiegel in der Zeit des Extrem-Kletterns, hält meinem Körper vor einem epileptischen Anfall ab“. Jetzt könnte ich gerade eine Wand gebrauchen. Die Finger jucken schon wieder!

Flo´s Empfehlung:

Category: Klettern, Motivation

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