Cleanup-Days: Sinnvoll, notwendig, oder ein Armmutszeugnis?

Cleanup-Days sind Veranstaltungen, die zumeist von sog. Sponsoren zentral organisiert werden, um bestimmte Klettergebiete von Müll und Unrat zu befreien. Jeder kann mitmachen und bekommt für gesammelten Müll dann ein kleines bis großes Geschenk von den Sponsoren überreicht. So werden dann Klettergebiete in einem Rutsch mal wieder richtig auf Vordermann gebracht.

Eine sinnvolle Sache, denn Menschen reagieren halt nun einmal am zuverlässigsten auf Belohnung. Und wenn die Belohnung (Geschenke!) so schnell nach der eigentlichen “guten Tat” erfolgt, dann ist das pädagogisch schon mal zu begrüßen.

Notwendig sind solche Aktionen sicherlich auch. Denn so wird das in weiten Teilen der Gesellschaft (Stichwort militanter Umweltschutz) herrschende Bild von den bösen Kletterern, die alles dreckig und kaputt machen, wieder etwas relativiert.

Ein Armutszeugnis ist es aber auch! Wenn man sich die uns eigentlich so heiligen Kletterfelsen und ihre Umgebung anschaut, dann fragt man sich unweigerlich, was aus den Zeiten geworden ist, da Klettern eine Natursportart war, die mit Respekt vor der Natur und der Umgebung betrieben wurde. Wieso sind Cleanup-Days in Klettergebieten überhaupt notwendig? Da fallen ein paar Antworten ein:

  • Weil auch andere Menschen/Touristen/etc. diese Bereiche nutzen…
  • Weil es einfach mehr Kletterer gibt…
  • Weil die Kletterer schlampiger und rücksichtsloser werden…

Diese Punkte stimmen meines Erachtens alle! Klar laufen auch Wanderer am Fels entlang. Aber diese Gruppe  werden sicher selbst die militantesten Umweltschützer niemals  des Waldes verwiesen. Leider sind wir Kletterer da greifbarer.  Und es stimmt auch, wir werden immer mehr (Kletterer), viele lernen das Klettern nicht am Fels sondern in der Halle. So wundert es nicht, wenn dann am Fels plötzlich Ghettoblaster statt Bürsten am Start sind. Dieser Imagewandel des Kletterns führt leider eben auch dazu, dass man immer öfter ein …mhhhh… nennen wir es einmal “unangemessenes” Verhalten am Fels beobachten kann.

Aber zurück zum Sinn des Cleanup-Days: Neben der Suche nach Belohnung motiviert uns Menschen auch die Vermeidung von  Unangenehmen. Ich würde es als Unangenehm empfinden, wenn ein Klettergebiet gesperrt wird. Doch diese Konsequenz ist recht weit weg und der Zusammenhang zwischen meinem Verhalten und dem Ergebnis ist nicht so deutlich, wie das “Abstauben” eines T-Shirts beim Cleanup-Day. Der Wert der Belohnung ist aber ungleich höher! Ich würde dankend auf jedes T-Shirt verzichten (und mache das manchmal tatsächlich – als bekennender “oben-ohne” Poserkletterer), wenn ich dafür einen geilen Tag in der Natur und am Fels eintauschen könnte!

Da hilft auch kein Cleanup-Day mehr. Hier gilt übrigens (Chalkverbot)

Also, */erhobener Zeigefingermodus an/* bitte räumt Euren Mist wieder auf! Wenn bei großen Boulderveranstaltungen die Halle danach aussieht wie eine Müllkippe, dann wird vielleicht der Veranstalter nächstes Jahr nichts mehr ausrichten. Wenn das Selbe am Fels geschieht, dann werden wir Kletterer uns mit den eben erwähnten Kletterhallenbetreiber gut stellen müssen, da sie dann bald die Herren über die letzten Klettermöglichkeiten sein werden. */erhobener Zeigefingermodus aus/*

Hier ein paar praktische Tipps, wie jeder Karmapunkte  sammeln, und unsere Klettermöglichkeiten mit kleinen Schritten erhalten kann:

  • Müll mitnehmen. Genau so, wie der Chalkbag ins Klettergepäck gehört,  so sollte auch eine Mülltüte dabei sein. Extra-Karmapunkte bekommt derjenige, der mehr Müll mit zurücknimmt, als er mitgebracht hat!
  • Raucher nehmen ihre Stummel mit. Die verrotten nämlich nicht. Es gibt schöne Aschenbecher und Kippensammler für die Hosentasche.
  • Nimm einen Klappspaten mit an den Fels! Benutze diesen möglichst weit vom Fels entfernt.
  • Tapereste, die vom Finger fallen, halten übrigens auch sehr lange und sehen nur bedingt schön aus!
  • Für Kaugummis gilt das Selbe wie für Tape und Zigarettenstummel
  • Angelegte Wege benutzen, das schont die Pflanzen
  • Den Fels nach dem Klettern von Chalkspuren säubern. Natürlich nicht mit der Drahtbürste. Chalkverbote respektieren.
  • Sperrzeiten beachten. Kletterverbote beachten. Felsschonend Klettern: Schuhe sauber, nassen Sandstein nicht beklettern, usw.
  • Im Internet über lokale Besonderheiten informieren und diese beachten.
  • Lautstärke reduzieren.
  • Beim Campen die örtlichen Regeln beachten -> siehe auch unten!
  • Andere Kletterer auf ihre Verantwortung hinweisen
  • Fahrgemeinschaften bilden oder Fahrrad fahren
  • An Cleanup-Days teilnehmen ;-) !
  • Vorbild sein!

Ich frage mich, ob so ein “oberlehrerhafter” Artikel eigentlich ankommt und etwas bewirkt, oder ob er unnötig ist. Ich habe bei der Recherche zu diesem Artikel selbst noch einige Dinge zu dem Thema “umweltbewusstes Verhalten als Outdoor-Sportler” gelernt. Das hat mich dann dazu gebracht, dieses etwas unangenehme Thema mit der Zielsetzung “Aufklärung” doch noch einmal aufzugreifen. Denn Cleanup-Day ist jeden Tag, die Belohnung dafür ist riesig – nur nicht immer direkt spürbar. Die Klettercommunity die ich so kenne ist immer noch sehr umweltbewusst und sauber ;-) Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass es so bleibt!

Ach ja, ich habe gelernt, dass es auch beim “Feuer machen” überraschende Dinge gibt, die man beachten sollte: *Artikel von Rüdiger auf nature-x.com*

Auch beim Campen am Busen der Natur (Kopfkinoalarm) gibt es einige Dinge, die man als verantwortungsbewusster Natursportler beachten sollte. Hierzu hat sich ” Bruder Leichtfuß”  in seinem Artikel “Wildcampen und Umweltschutz” Gedanken gemacht.

Und wer seine Karmapunkte durch aktive Teilnahme an einem Cleanupday  aufstocken möchte, der findet auf der Outdoor-Seite ein Paar Termine und Rückblicke für den süddeutschen Raum. Hier nennen die Cleanup-Days sich allerdings Envirotreks.

Category: Einsteiger, Kurioses

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