Genickbruch? “Knackwatschn” mit Klem Loskot

Vor einigen Jahren habe ich im Buch von Udo Neumann “Der XI. Grad” ein Bericht von Klem Loskot gelesen, den ich damals nicht wirklich verstanden habe. Klem Erzählt von seinem ringen mit dem Boulder “Wrestling with an alligator (8b+)” im Maltatal.

Wie man hier sehen kann, muss man in einen weiten Zug nach links den Schwung der dynamischen Bewegung abfangen:

 

 

Klem konnte diesen Zug nur mit seiner sogenannten “Knackwatschn”(=Genickschlag)  festhalten. Hierbei lässt er im Moment des Zufassens am Zielgriff den Kopf nach hinten unten “fallen”. Warum? Nun ja, das habe ich erst jetzt verstanden (dazu gleich mehr):

Dadurch gewinnt er Zeit, den Zielgriff zu fixieren. Der Kopf wiegt einige Kilos (so 4-6, je nach Messung). Wenn der Kopf beim Festkrallen des Griffes aktiv nach hinten Beschleunigt wird, dann muss der Kletterer das Gewicht des Kopfes nicht mit festhalten. Erst beim Abbremsen (man will ja keinen Genickbruch riskieren) erhöht sich das Gesamtgewicht wieder. Dann sollte der Griff jedoch schon fixiert sein.

Der gute Klem hat also sozusagen sein Körpergewicht über eine längere Zeit verteilt, um somit im entscheidenden Moment des Greifens weniger halten zu müssen. Gute Idee eigentlich ;-) . Physikprofessoren die das hier lesen, sollten bitte ein wenig Gnade mit mir haben, ich habe grob vereinfacht – das Prinzip funktioniert aber.

Wenn Du einmal versuchen möchtest, wie sich das anfühlt, dann mach doch einmal die Übung aus dem Trainingsnewsletter zum dynamischen Klettern: Klettere eine leichte Route nur mit einier Hand. Dazu musst Du den nächsten Griff dynamisch anpeilen und Dein Körpergewicht/Schwung abfangen. Du wirst merken, dass bei schweren Zügen Dein Kopf fast automatisch nach hinten geht! Wenn Dein Kopf das nicht automatisch macht, dann versuch einmal, das bewusst zu machen. Achte hierbei darauf, dass Du gut aufgewärmt bist!

Mir ist aufgefallen, dass auch andere Körperteile für eine “Schwungreduktion” geeignet sind: Beine, Arme….. Diese werden jedoch selten so deutlich dafür verwendet. Es lohnt sich, auch diese Situationen einmal zu provozieren!

Category: Bouldern, Klettern, Klettertechnik, Tipps

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