Neue Begehungsstile für Kletter- und Boulderhalle

Ich war ja schon immer neidisch auf die Kletterer, die einen Fels vor der Tür haben. Immer reden sie über die tollen Durchstiegsvarianten, die sie geschafft haben: Onsight, Flash, Rotpunkt, Pinkpunkt, JoJo, Rotkreis, a.f., Solo, Rotkreuz ……

Und was bleibt mir in der Halle? Toprope und Vorstieg. Manno, wie soll man da mitreden?

Billiger Kalauer: Haribo-Durchstieg ;-)

Billiger Kalauer: Haribo-Durchstieg ;-)

Ab sofort ist dieses Defizit für Hallenkletterer und -boulderer gelöst! Exklusiv für die Indoor-Kletterszene habe ich in Zusammenarbeit mit der europäischen Kommission für DIN-Normungen und Klassifizierungen neue Begehungsstile definiert. Folgende Varianten gibt es ab sofort und können auch schon geklettert werden:

Alzheimer-Flash:
Wie beim regulären Flash muss der Durchstieg der Route sofort im ersten Versuch gelingen. Die Versuche, die Du in der Woche davor schon gemacht hast, musst Du dabei allerdings glaubwürdig vergessen.

Haribo-Durchstieg:
Für einen erfolgreichen Haribo-Durchstieg darfst Du nur die Griffe und Tritte benutzen, die in Deiner Reichweite liegen. Die Schwierigkeit ermittelst Du aus der Summe der farblich definierten verwendeten Einzelrouten. Beispiel: Du hast grüne, rote und schwarze Tritte und Griffe verwendet. Grün ist als 3+, rot ist als 4- und schwarz als 4+ definiert. Rechnung: (3) + (4) [die + und – heben sich ja auf] + (4+) [liegt zwischen 5 und 4 also ca. 4,3]= 11+ [aufgerundet]

Das könnte klappen: Eine Haribo 12+!

Das könnte klappen: Eine Haribo 12+!

Entschuldigungs-Begehung:
Die “EB” hätte fast geklappt, wenn nicht:
-das Seil der Nachbarroute auf dem Griff gelegen hätte
-ich mehr Chalk mitgenommen hätte
-die Luftfeuchtigkeit/Temperatur/Lautstärke nicht so blöd/übertrieben/krass gewesen wäre
-…….
[Im Prinzip reicht jede innovative oder passende Entschuldigung für eine erfolgreiche “EB”]

Soft Durchstieg;
Erfolgt klassisch im Toprope. Du hast einen Soft-Durchstieg geschafft, wenn Dein Sicherungspartner während Deines Durchstiegs nie länger als 3 Sekunden in der Luft hängt. Hier bin ich mit der Normungskommission noch ein wenig im Zwiespalt, da diese meinen, dass es Probleme mit der Vergleichbarkeit wegen Gewichtsunterschieden der Kletterpartner kommen könnte. Der Vorschlag, der im Raum steht, ist, die erlaubte Zeit, die der Sicherungspartner den Bodenkontakt verlieren darf, an dem Gewichtsunterschied zu orientieren. Finde ich jedoch Quatsch, denn dann würde der erfolgreiche Soft Durchstieg ja davon abhängen, was Du oder Dein Partner vor dem Klettern gegessen hat. Und das ist ja mal nicht praxistauglich!

Gruppen-Rotpunkt:
Wichtig hierbei ist, dass jeder einzelne Zug der Route von einem Gruppenmitglied gemacht wurde. Ein Gruppen-Rotkreis wäre, wenn sich der Gruppen-Rotpunkt über mehrere Tage verteilt. Kombinierbar ist diese Begehungsvariante mit dem berühmten “mental-solo”. Man spricht dann von einem “mental-Gruppen-Rotpunkt/Rotkreis”.

Im Team geht´s leichter: Der Gruppen-Rotpunkt!

Im Team geht´s leichter: Der Gruppen-Rotpunkt!

mental-Solo:
Für einen erfolgreichen mental-Solo ist es nicht nur notwendig, sich jeden einzelnen Zug in der Route/dem Boulder vorstellen zu können, sondern auch, dieses verbalisieren zu können. 

Poser Flash:
Eher ein boulderspezifischer Stil. Wichtig ist hier, den Zielgriff zu erreichen und mindestens für die kürzeste Verschlusszeit der verwendeten Kamera fest zu halten. Wird gerne auch mit dem Fashion-Flash kombiniert!

Puh...Das war knapp! Dank kurzer Verschlusszeit ein erfolgreicher Poser-Flash!

Puh...Das war knapp! Dank kurzer Verschlusszeit ein erfolgreicher Poser-Flash!

Fashion Flash:
Hier müssen wir an der klaren, eingängigen Definition noch etwas arbeiten. Ich bin jedoch sicher, dass dich diese Mühe bezahlt machen wird, denn gerade hier sehe ich noch viel Potential! Bislang fest steht:

– Häekelmütze ist Pflicht
– am besten passend zu a) Chalkbag, b) Kletterschuhe, c) Fußmatte
– Geht nur “oben ohne” (hier kocht die interne Diskussion gerade hoch)
– Abzüge, wenn farbliche Abstimmung nicht 100%!

 

Da die verbindliche Festschreibung dieser Stile in eine DIN-Normung kurz bevor steht, hast Du nur noch ein wenig Zeit, eigene Norm-Vorschläge einzureichen. Spätestens bis zur nächsten Hallensaison müssen Vorschläge vorliegen. Du kannst Dich auch gerne an der Arbeit an den aktuell noch offenen Punkten beteiligen (am dringendsten wäre hier der Fashion Flash und die Ausarbeitung  einer praktikablen Formel für den Soft-Durchstieg).

Category: Bouldern, Klettern, Kurioses, Motivation

Comments (5)

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  1. Anderl says:

    Noch ein Stil-Vorschlag, ich hoffe er kommt noch rechtzeitig für die Normierungs-Kommision!

    Die “Short-Rope-Begehung”!

    Der Stil ist einfach, grenzt aber an free-solo. Jeder Griff, jeder Tritt ist erlaubt (ähnlich dem Harribo-Durchstieg, du musst nur nicht mitzählen). Wichtig ist die Benutzung eines Seils, welches folgender Formel entspricht:

    Länge Seil < 2 * Wandhöhe

    Ich denke, diese einfache Formel dürfte der Normierungs-Komission die Arbeit deutlich erleichtern, zumal das Rechenergebnis nicht vom aktuellen Ernährungs-Zustand der Seilschaft abhängig ist. Ein wesentlicher Plus-Punkt gegenüber dem Soft-Durchstieg!

    Ambitionierte Versuche in dieser Richtung habe ich einige beobachtet, leider wurden diese durch unsportliche Trainer (vor allem im Heavens Gate!!!) gestört!

    So wurde der fantastische Rekord-Versuch eines jungen dynamischen Duos, mit einem 50-meter-Seil in eine 35-meter Tour einzusteigen ohne Sinn und Verstand unterbunden! Es ist erschreckend!

    Um solche Tragödien in Zukunft zu vermeiden…bitte nehmt den Short-Rope noch mit in die Normierung auf!

  2. Luna says:

    Haha! Dank meiner (unfreiwilligen ab jetzt) Hallenzeit fiele mir da noch eine allzeitbeliebte Durchstiegsvariante ein: die free-solo trotz oder gerade wegen des belay-sklavens am boden und angebundenem Seil ;) Oftmals zu beobachten in der unfreien Hallenwildbahn, wenn meist maennlicher belay-sklave ploetzlich beide Patschehaendchen vom Seil nimmt (GriGri gaebe hier Abzugspunkte in der “Haltungsnote”) weil ploetzlich das Sahnetoertchen eines Kletterers (oder auch die Ego-booster-Anhimmelperle) in Sichtweite kommt…der Vorsteiger hat davon natuerlich nicht den blassesten alles Schimmer…waere das dann nicht ein free-solo? ;p

  3. Yvonne says:

    Ok Ihr lieben, ein Vorschlag als Ergänzung des Soft-Durchstiegs:
    Neben der Gewichts-in-der-Seil-Hängerei sollte als zweite Nebenbedingung gelten …. man hat ihn geschafft wenn der Geräuschpegel durch schrappende Schuhe an der Wand unter 85 dB (Dezibel) lag. Das ist ganz einfach messbar, weil es die Schmerzgrenze für empfundene Nervigkeit ist ;-)

    • klettervirus says:

      Danke Yvonne! Diesen Aspekt haben wir in den Meetings mit der Normierungskommission völlig vergessen – da müssen wir wohl nochmal ran….

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