Interviews mit Kletterfotografen: Pete O´Donovan (England/Spanien)

Nachdem schon Garrett Grove und Dean Fleming spannende Geschichten aus ihrer Fotokarriere erzählt haben und uns mit tollen Tipps für bessere Fotos versorgt haben, haben wir als nächstes Pete O´Donovan interviewt. Auch er hat wirklich gute Tipps und Stories anzubieten. Interessant finde ich, dass auch Pete nicht nur als Fotograf sondern als Erschließer neuer Routen und Gebiete aktiv ist. Ein Zufall? Wenn Du Dich für die geschäftlichen Erfolge von Pete interessierst, dann kannst Du auf www.ft.com (Financial Times) ein Interview mit ihm zu seiner Kletterfirma lesen, musst Dich dazu aber leider kostenlos registrieren.

Pete, könntest Du Dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen? Mein Name ist Pete O´Donovan. Ich komme aus Sheffield in England und bin 54 Jahre alt. Ich bin mit einer Spanierin verheiratet (Katalonin, um genau zu sein), und verbringe im Moment so viel Zeit wie möglich mit Klettern, Fotografieren und dem Einrichten neuer Routen in Katalonien. Zuletzt habe ich als Co-Autor (zusammen mit Dani Andrada) an einem Kletterführer für die Region Lleida im Westen Kataloniens gearbeitet (www.lleidaclimbs.com).

Pete O´Donovan: Bouldern

Pete O´Donovan: Bouldern

Auf einer Skala von eins (Amateur) bis zehn (Vollzeit-Profi), wo würdest Du Dich als Photograph einordnen? Vier von zehn. Das bedeutet aber nicht, dass mein Ansatz beim Fotografieren nicht professionell ist, ich sehe Fotografie nur nicht als meine Haupteinnahmequelle – ich musste niemals mit Fotografie meine Rechnungen bezahlen.

Auf einer Skala von eins (Anfänger) bis zehn (Profi), wo würdest Du Dich als Kletterer / Boulderer einordnen? Wie viel kletterst Du oder bist Du geklettert? Wenn die Frage ist, wie wichtig mir Klettern ist (nicht wie gut ich bin!), wäre ich eine Neun oder sogar Zehn.

Seit dem ich das erste mal Felsen berührt habe – in den frühen Siebzigern – hat mich in meinem Leben und in meiner Arbeit das Klettern am meisten beeinflusst. Ich habe die Schule so früh wie möglich verlassen, um mehr Zeit an den hiesigen Felsen zu verbringen, bekam aber schnell den Drang, in die Ferne zu reisen. Während der späten Siebzigern und frühen Achzigern bedeutete die Ferne für ernsthafte europäische Kletterer die USA. Ich habe viele ausgedehnte Trips dorthin gemacht um die Schönheit von Orten wie Yosemite, Tuolomne, Eldorado Canyon und den Shawangunks zu erfahren – alles finanziert durch ungelernte Jobs im Winter.

Als ich schlussendlich gemerkt habe, dass es etwas schwierig wäre, ohne Geld und Platz zum Leben nach England zurück zu kommen, habe ich eine mit dem Klettern verbundene Firma gegründet – Design und Herstellung von Rucksäcken, Crashpads und anderer Kletterausrüstung. Zusammen mit meiner Frau habe ich dieses Unternehmen zwanzig Jahre lang geleitet (unter dem Namen Podsacs), ehe wir es mit dem Namen und den Produkten an eine größere englische Firma verkauft haben. Das Material wird noch hergestellt (www.podsacs.com).

Auf die ein oder andere Weise war Klettern fast immer der Mittelpunkt meines Lebens.

Pete O´Donovan: Vicky

Pete O´Donovan: Vicky

Gibt es besondere Momente und Erfolge in Deinem Kletterleben? Ich würde sagen, dass meine intensivsten Erinnerungen und besten Leistungen auf meinen Reisen in die USA entstanden sind. Mich hatten eher die längeren Dinge interessiert, und ich erinnere mich lebhaft an Erstbegehungen wie “Astroman” und “Bachar-Yerian”. Heute bin ich eher ein Sportkletterer, hauptsählich in Katalonien, wo ich auch sehr aktiv neue Routen einrichte.

Wie bist Du zum Klettern und Photographieren gekommen? Was kam für Dich zuerst, und was bedeutet Dir heute mehr? Klettern kam zuerst. Heutzutage fangen die meisten Menschen das Klettern in Hallen an, das war damals in den Siebzigern anders. Meine Freunde und ich fingen mit Bergwandern im Peak District (in der Nähe von Sheffield) an, kletterten dann an Bouldern herum und landeten dann beim Seilklettern. Ich war vom ersten Moment an total begeistert.

Mein Interesse für Kletterfotografie hat auch recht früh angefangen, aber ich habe es nie so ernst genommen wie das eigentliche Klettern. Heute unterscheide ich deutlich zwischen Foto-Tagen und Kletter-Tagen.

Wenn ich rausgehe um Bilder zu machen mache ich nur das und denke an nichts anderes, und wenn ich Lust habe zu klettern, dann lasse ich meine „Profiausrüstung“ zu hause und nehme nur die Kompaktkamera für den ein oder anderen Schnappschuss mit.

Welche Ausrüstung nutzt Du im Moment für Deine Photos? Ich benutze ausgezeichnete Ausrüstung – eine Nikon D3 mit „profi“ f2.8 Nikon Objektiven. Wenn die Bilder schlecht werden, dass weiß ich dass es mein Fehler war, nicht der der Kamera! Für organisiert geplante Bilder benutze ich entweder einen Metolius Bigwall-Gurt oder einen Petzl Sitz – viel bequemer als ein normaler Gurt, wenn Du viel Zeit mit Herumhängen verbringst. Ich benutze außerdem einen Brustgurt.

Wie würdest Du Deinen Photostil beschreiben?Ich bin nicht sicher, ob ich überhaupt einen Stil habe. Ich versuche mich an die Anforderungen anzupassen. Wenn ich zum Beispiel Bilder für jemanden wie Chris Sharma oder Dani Andrada in einem harten Projekt mache, dann weiß ich, dass die Betrachter ganz nah an der Action dran sein wollen – die Gesichtsausdrücke (die Augen!) und die kleinen Griffe sehen wollen.

Pete O´Donovan: Vicky 2

Pete O´Donovan: Vicky 2

Wenn ich andererseits Bilder für einen Reise- oder Gebietsbericht schieße, dann nehm ich eher Weitwinkel, um den Leuten einen Eindruck von den Felsen und der Landschaft zu vermitteln.

Eigentlich sind das sogar meine Lieblingsbilder – viel Fels, viel Himmel und nur ein klitzekleiner Kletterer (in einem grellbunten Shirt!). Leider wollen die Magazine heutzutage nur die Nahaufnahmen.

Gibt es ein Lieblings-Kletterbild von Dir?Eines mit einer besonderen Geschichte dahinter? Ich erinnere mich an ein Bild der Route „Naked Edge“ (5.11, Eldorado Canyon, Colorado), das vor langer Zeit auf dem Cover von „Mountain“ war. Es zeigt eine riesige Sandsteinkante, die sich vor einem dunkelblauen Himmel abhebt, mit ein paar winzigen Kletterern sich daran hocharbeiten. Ich habe nicht etwas gedacht „Was für ein erstklassiges Bild!“, sondern ich dachte „Ich muss diese Route machen!“.

Ein geniales Bild!

Ein geniales Bild!

Für mich ist das der Hauptzweck von Berg- und Kletterfotografie – Kletterer zu inspirieren neue Gebiete zu besuchen und neue Routen zu versuchen.

Es gibt im Moment so viele gute Kletterfotos und Fotografen, dass es echt schwer ist, einige wenige hervorzuheben. Mir gefallen Simon Carters Bilder von australischem Klettern und John Thornburgs Arbeit in Amerika.

Von meinen eigenen Bildern sind einige meiner Lieblingsbilder an meinen Heimatfelsen (Gritstone) entstanden: Obwohl die Wände und Felsen nicht sehr hoch sind, ist die Landschaft sehr dramatisch und das Licht sehr wechselhaft.

Pete O´Donovans "Homeland": Gritstone

Pete O´Donovans "Homeland": Gritstone

Was war der größte technische Aufwand, den Du jemals für ein Bild betrieben hast? Wenn ich ganz ehrlich bin war der größte Aufwand, den ich betrieben habe um ein Bild zu bekommen, als ich Bilder von Felsen für Topos in dem Lleida-Kletterführer gemacht habe. Um in die perfekte Position zu kommen, musste ich mich regelmäßig mit der Machete durch undurchdringliches Unterholz arbeiten, hoch in Nadelbäume klettern oder durch reißende Flüsse waten. Das war viel gefährlicher, als Action-Bilder zu machen!

Wie stark bearbeitest Du Bilder am Rechner in der Regel nach? Ich mache nur Bilder im RAW-Format und führe grundlegende Tonanpassungen in Photoshop durch, ehe ich Bilder an Magazine schicke.

Was stellst Du mit Deinen Bildern an, wenn sie fertig sind? Die meisten meiner Bilder werden an Kletterzeitschriften verkauft, entweder eigenständig oder als Teil eines Berichtes über Klettergebiete. Ich hatte schon recht viele Bilder auf Covern von Publikationen wie „Desnivel and Escalar” (Spain), “Klettern” (Germany), “Climb” (UK) and “Rock” (Australia). Ich versorge auch Hersteller mit Werbefotos (Boreal, Sterling, Tenaya).

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kletterfotos von “Anfängern” immer den typischen “Arsch an Fels”-Stil haben. Was würdest Du als Tipps mit auf den Weg geben, ohne zu viele Deiner Geheimnisse preis zugeben?

Anfänger: Wenn Du sicherst und versuchst Fotos zu machen, dann machst Du wahrscheinlich beides nicht richtig. Konzentrier Dich aufs Sichern! Wenn Du aber Teil einer Dreier- oder Vierergruppe bist, dann hast Du eine viel bessere Chance auf annehmbare Kletterbilder. Wenn Du Dich nach Vorstieg oder Toprope in Deiner Route etwas herab lässt, bist Du in der perfekten Position jemanden in der Route neben Dir zu fotografieren. Häng Dich in ein paar Haken, nimm die Kamera raus und fang an zu schießen.

Auch vom Boden aus kann man mit ein paar Schritten die ungeliebten „Popobilder“ vermeiden: versuche in eine Position weiter zur Seite zu kommen, so dass mehr vom Körper des Kletterers zu sehen ist und warte bis er nach unten (zu seinen Füßen) guckt, ehe Du abdrückst.

Fortgeschrittene: Mit den neuen Digitalkameras machen mittlerweile viele Leute hervorragende Bilder, trotzdem scheinen sich immer die selben „Fehler“ einzuschleichen. Für mich persönlich ist eines der nervigsten Dinge, die man in vielen Bildern sieht das, was ich als „Gerümpel“ bezeichne – Rucksäcke, Seile, Schuhe, Essen, Hunde, usw., usw. – , auf der Erde und unter dem Kletterer verteilt. Das lenkt das Auge des Betrachters extrem ab, also solltest Du dafür sorgen, dass alles aufgeräumt ist, ehe Du Deine Fotos machst (außer es stört Dich nicht, nachträglich stundenlang mit Photoshops Klon-Werkzeug zu arbeiten).

Ein paar grellbunte T-Shirts dabei zu haben ist ebenfalls eine gute Idee – so viel der aktuellen Klettermode beschränkt sich auf Braun- und Olivtöne.

Wenn Deine Kamera Serienaufnahmen mit mehr als 4 Bildern pro Sekunde unterstützt, dann solltest Du das nutzen: 5 Bilder in der Sekunde ist eine tolle Möglichkeit, kurze spontane Gesichtsausdrücke zu erwischen.

Eine letzte Sache: Wenn Du von einem Seil aus fotografieren willst, dann knote das Ende des Seils am Boden fest, ehe Du hochgehst. Wenn Du dann anfängst, Dich zu drehen (und das macht man immer), dann kannst Du das Seil spannen um Dich in Position zu halten.

Profis: Ich bin wirklich nicht der Richtige, jemandem Tipps zu geben, der schon auf diesem Level fotografiert.

Deine Abschlussworte:
Yep, that´s it ;-)

Pete, vielen Dank für dieses Interview und die vielen praxistauglichen Fototipps! Du hast einen großen Beitrag zur Ausrottung der Popobilder geleistet ;-)

Category: Interview, Kletterfotografie, Tipps

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