Interview Serie:
Garrett Grove, Profifotograf

Nachdem bereits Dean Fleming seine Geschichten geteilt und Phototipps gegeben hat, sprechen wir jetzt mit Garrett Grove aus den Vereinigten Staaten:

Garrett, könntest Du Dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen? Garrett Grove, http://garrettgrove.com , 28, Outdoor Adventure Fotograf aus Bellingham, Washington [USA].

Garrett

Garrett

Auf einer Skala von eins (Amateur) bis zehn (Vollzeit-Profi), wo würdest Du Dich als Photograph einordnen? Wie viel Zeit verbringst Du mit dem Fotografieren? Zehn. Ich verbringe nicht 100% meines täglichen Lebens mit Fotografie, aber 100% meines Einkommens und meiner Arbeit besteht aus Fotografie, und dafür bin ich wirklich dankbar.

Auf einer Skala von eins (Anfänger) bis zehn (Profi), wo würdest Du Dich als Kletterer / Boulderer einordnen?Wie viel kletterst Du oder bist Du geklettert? Eins. Es gibt einen Grund, warum ich Fotos von Profis mache. Ich verbringe viel Zeit mit Skifahren, Klettern und wandern, aber ich habe nicht annähernd das Talent der Sportler, die ich fotografiere. Die meisten Orte wo ich selber Klettere, Rad und Ski fahre liegen im Nordwesten der USA und in Kanada, und das aus gutem Grund! 

Wie bist Du zum Klettern und Photographieren gekommen? Was kam für Dich zuerst, und was bedeutet Dir heute mehr? In der Highschool hat mich ein Freund zum Snowboarden gebracht, das war meine Einstiegsdroge. Von dort bin ich ans College nach Bellingham, Washington gegangen, weil es so nah am Mount Baker und den North Cascades liegt. So bin ich zum Bouldern und Bergsport und so weiter gekommen. Meine erste Liebe war also draußen zu sein und die Erlebnisse dabei. Diese Erlebnisse haben mich inspiriert, Fotos zu machen und sie Freunden und Familienmitgliedern zu zeigen. Heutzutage versuche ich die Zeit aufzuteilen in persönliche Freizeit und Arbeit. Das ist ein Luxusproblem, aber immer noch eines, das Zeit braucht, so zu planen und Wirklichkeit werden zu lassen.

Freizeit? Arbeit?

Freizeit? Arbeit?

Welche Ausrüstung nutzt Du im Moment für Deine Photos? Irgendwelche besonderen, vielleicht geerbte oder selbstgebastelte Stücke? (Mc Gyver lässt grüßen!) ? Ich benutze nur Nikon, mit Ausnahme meines Sigma 15mm Fischaugenobjektives. Ich finde, dass ich draußen alles was ich brauche mit dem Fischauge (15mm, 17-35 2.8, 45 mm t/s) und einem 70-200 2.8 aufnehmen kann. Ziemlich bodenständig und einfach, aber ich stelle fest dass ich mich beim herumspielen mit Gerätchen und Spielzeugs festfahre und verpasse, was vor mir passiert.

In 90% der Fälle bringen Taschen von F-Stop („Loka“ & „Mala“) mich und meine Ausrüstung dahin, wo wir gebraucht werden.

Wie würdest Du Deinen Photostil beschreiben? Unsere Umwelt, natürliches Licht und wie wir uns damit auseinander setzen sind mein Antrieb und Thema. Ich versuche zu erreichen, dass ein Bild Leute dazu bringt innezuhalten, zu staunen und sich zu wünschen, dabei zu sein. Deshalb sind meine Bilder oft weit aufgezogen und die Person wirkt im Vergleich zu ihrer Umgebung klein. Ich versuche, das Foto nicht zu kommerziell, sondern surreal, zeitlos und inspirierend zu gestalten.

Garretts Stil: Viel Landschaft, geniales Klettern...

Garretts Stil: Viel Landschaft, geniales Klettern...

Gibt es ein Lieblings-Bild von Dir? Eines mit einer besonderen Geschichte dahinter? Eines meiner Lieblingsbilder ist das von Adam Roberts, John Sweeney und David Hancock auf dem Mount Shuksan, Washington, auf unserem Weg die Nordseite mit Skiern abzufahren. Keiner von denen ist ein gesponsorter Sportler, es sind aber alles gute Freunde und intensive Menschen, die dieses Streben mit Leidenschaft ausführen. Ich liebe es, diese Auseinandersetzung mit der natürlichen Umgebung zu sehen und daraus „professionelle“ Aufnahmen zu machen.

Was war der größte technische Aufwand, den Du jemals für ein Bild betrieben hast? Meistens muss ich für meine Bilder nur dabei sein, brauche keine Spielzeuge und Hilfsmittelchen, nur viel Zeit und Schweiß. Ein witziges, wenn auch nicht typisches Bild von mir zeigt Jeff Campbell in den nördlichen Selkirks, British Columbia [Kanada]. Für das Bild benutzten wir ein Paar ferngesteuerte Blitze, ein notdürftig an einem Rucksack befestigtes Stativ mit meiner Kamera darauf und einen ferngesteuerten Auslöser, alles bei minus 18°. Es hat beim zweiten Schuss geklappt und wir waren zufrieden, was ganz gut so war bei der extremen Kälte.

Ferngesteuerter Blitz & Auslöser, Kamera uf den Rucksack getapet, -18°

Ferngesteuerter Blitz & Auslöser, Kamera uf den Rucksack getapet, -18°

Wie gesagt, ich mache so was nicht oft, aber es hat Spaß gemacht, davon ein wenig abzuweichen.

Wie stark bearbeitest Du Bilder am Rechner in der Regel nach? Ich mache an den Bildern fast gar nichts. Normalerweise ziehe ich den Kontrast etwas hoch, Weißabgleich und gebe oder nehme etwas Sättigung. Ich bin echt schlecht mit Photoshop und all diesen Programmen.

Was stellst Du mit Deinen Bildern an, wenn sie fertig sind? Ich versuche meine Bilder bei Magazinen und kommerziellen Kunden unterzubringen, was mich ECHT VIEL Zeit kostet. Ich hatte das Vergnügen in den letzten Jahren mit zahlreichen Kunden zu arbeiten, was für mich wirklich spannend war.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kletterfotos von “Anfängern” immer den typischen “Arsch an Fels”-Stil haben. Was würdest Du als Tipps mit auf den Weg geben, ohne zu viele Deiner Geheimnisse preiszugeben?Versuche etwas Neues, sei kreativ und strebe immer ein bisschen höher und weiter. Wenn Du bei Deiner Fotografie faul bist, wird daraus ein suboptimales Bild entstehen.

Tagewerk getan...

Tagewerk getan...

Deine Abschlussworte:
„Stop wondering and find out.“

Garrett

Garrett, vielen Dank. Es hat Spaß gemacht, über Deine Aktivitäten im Bereich Kletterfotografie und Deine Philosophien dabei zu erfahren. Wir wünschen auch weiterhin immer mitreißende Bilder! Wer mehr von Garrett sehen möchte, guckt direkt auf seiner Homepage: http://garrettgrove.com

Category: Interview, Kletterfotografie

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