Start der Fotografen-Interviewreihe
Dean Fleming verrät seine Tricks!

Wir  starten eine neue Interviewserie, dieses mal mit Fotografen, die Klettern in Szene setzen. Profis und Amateure erzählen von ihren Erlebnissen! Den Anfang macht Dean Fleming aus Sonora, Kalifornien. Er gibt Tipps für uns normale Fotografen und zeigt tolleBilder….

Näheres zu ihm auf seinem Blog  www.deanfleming.wordpress.com

Dean, könntest Du Dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen?

Ich bin 26 Jahre alt und die letzten 15 Jahre habe ich jedes Jahr geschätzte 250 Tage mit Felsklettern verbracht. Man würde erwarten, dass ich dadurch besser wäre, als ich tatsächlich bin!

Dadurch, dass Klettern schon sehr früh eine so große Rolle in meinem Leben gespielt hat, hatte ich die Chance den Kletterport durch einige grundlegenden Veränderungen hindurch zu beobachten. Ich bin von Kletterbildern und -berichten besessen, seit ich denken kann.

Im Moment arbeite ich freiberuflich als Autor und Fotograf in der Kleinstadt Sonora, Kalifornien, am regelmäßigsten an meiner Adventure Kolumne, und als freiberuflicher Autor bei “Climbing Magazine”, “Sierra Seasons Magazine”, “The Union Democrat” und “Sierra Mountain Times” [Anmerkung von Stefan: alles in den USA echt angesehene und bekannte Magazine!]. Zusätzlich arbeite ich saisonal als Kletterführer im Smith Rock State Park für die Firma “First Ascent Climbing Service” und als “Rigging/Safety Supervisor” für die Firma Mountain Methods Inc. aus der Nähe von Toulumne, Kalifornien.

Außerdem mache ich freiberuflich etwas Rigging für Filme und Fotos (das letzte war für einen Werbespot für Mad Rock im Yosemite National Park). [Anmerkung: Rigging ist ein Zweig im Industrieklettern].

 

Auf einer Skala von eins (Amateur) bis zehn (Vollzeit-Profi), wo würdest Du Dich als Fotograf einordnen? Wie viel Zeit verbringst Du mit dem Fotografieren (von Kletterern)?

Auf einer Skala von eins bis zehn….würde ich mich wahrscheinlich bei vier einordnen. Ich fotografiere fast jeden Tag, auch mit professionellem Hintergrund – allerdings nicht auf dem Niveau, das ich eines Tages zu erreichen hoffe!

Wenn ich mich mit professionellen Kletterfotografen vergleiche (und ich versuche, das nicht zu tun!), bin ich in diesem großen Gesamtbild ein ziemlich kleiner Fisch- ich denke dabei an Leute wie Jerry Dodrill, der seine digitale Kamera auf eine so eindrucksvolle Weise beherrscht, dass es für mein Anfängergehirn schier unbegreiflich ist; oder Jim Thornburg – der mehr auf Titelseiten von Magazinen veröffentlicht hat, als ich Zeitungsbilder…

 

Auf einer Skala von eins (Anfänger) bis zehn (Profi), wo würdest Du Dich als Kletterer / Boulderer einordnen?Wie viel kletterst Du oder bist Du geklettert?

Das ist jetzt mal eine Skala, auf der ich mitspielen kann! Von eins bis zehn….mindestens 8-, aber wenn es Punkte für Engagement gibt, dann bin ich 9+. Ich bin auf keinen Fall der stärkste oder begabteste Kletterer, es sind wahrscheinlich sogar gerade einige deutlich stärkere und talentiertere Kletterer in dem Cafe, in dem ich gerade sitze und diese Fragen beantworte, aber ich klettere durchgängig seit fünfzehn Jahren, und das gibt mir große Erfahrung und Wissen in diesem Sport.

Ich habe mit 19 meine Lizenz bei der American Mountains Guides Association [amerikan. Bergführervereinigung] abgelegt und arbeite seit sieben Jahren als professioneller Kletterführer/Trainer. Ich habe Erfahrung im Industrieklettern und habe das Rigging für ein paar Kletterfilme beaufsichtigt. Außerdem habe ich an größeren komplexen Konstruktionsjobs mit Hubschraubereinsatz und Fixseilsystemen gearbeitet.

Neben meiner halbprofessionellen Beschäftigung als Kletterer bin ich immer noch besessen von dem Sport und ich versuche, so viel zu klettern, wie mein Körper es erlaubt. Meine Lieblingsgebiete liegen an dem Highway verstreut, der durch meine Heimatstadt Sonora führt – genauer gesagt in einem Gebiet, das “Burst Rock” genannt wird. Dort habe ich die letzten vier Jahre neue Routen erschlossen. Meiner Meinung nach hat Burst Rock einen der besten alpinen Granitfels zu bieten, und die Aussicht ist unschlagbar.

 

Wie bist Du zum Klettern und Fotografieren gekommen? Was kam für Dich zuerst, und was bedeutet Dir heute mehr?

Klettern war definitiv das erste, und ich bin davon gefesselt seit ich denken kann. Seit ich drei war wollte ich immer eine Mischung aus Indiana Jones und einem Ninja werden; Klettern war da die naheliegendste Möglichkeit.

Ich habe Geowissenschaften (Schwerpunkt Geologie) studiert; bin aber beim Schreiben und Fotografieren hängen geblieben, seit ich an einen Boulderführer über ein Kalksteingebiet in der Nähe von Sonora gearbeitet habe. Dieses Buch (“Columbia Bouldering”) hat mir einige Türen geöffnet. Innerhalb eines Jahres nach dem Druck des Führers wurden meine Bilder in internationalen Magazinen und in einigen örtlichen Zeitungen veröffentlicht. Ich habe dann auch angefangen, für eine wöchentliche Outdoor-Kolumne namens “Licht auf dem Pfad” zu schreiben und Fotos zu machen. Diese Zeitung, der Sierra Lodestar, ist jetzt in seiner 50ten Ausgabe.

Ich klettere immer noch mindestens drei Tage in der Woche, aber es kommt selten vor, dass ich einen Klettertag ohne Kamera dazwischen schieben kann.

 

Welche Ausrüstung nutzt Du im Moment für Deine Fotos? Irgendwelche besonderen, vielleicht geerbte oder selbstgebastelte Stücke (Mc Gyver lässt grüßen!)?

Ich nutze eine recht günstige Kamera (Canon t2i), gehe aber bei den Objektiven keine Kompromisse ein – normalerweise wähle ich die teurere L-Qualität beim Glas. Da ich fast zu 100% draußen fotografiere, habe ich einen Polfilter an so gut wie an allen meinen Objektiven fest angebracht. Graufilter und abgestufte Neutraldichtefilter sind immer in meiner Tasche.

Ich habe noch nichts spektakuläres für ein Foto gebastelt, aber für Videos habe ich ein Kamerawagen aus einem Plastikrohr und einem Holzblock gebaut. Manchmal etwas wackelig, aber mit einer ruhigen Hand funktioniert es.

 

Wie würdest Du Deinen Fotostil beschreiben?

An einer neuen Location versuche ich, keinen speziellen Stil im Kopf zu haben, da jede Tour mehr als einen tollen Bildausschnitt und -winkel hat. Ich möchte offen für alle Möglichkeiten sein, und es meinem Instinkt überlassen, die richtige Wahl zu treffen. Dennoch, ich liebe große Landschaften und tendiere häufiger in Richtung Landschaftsbilder, wo der Kletterer nicht im Zentrum des Fokusses steht. Nach meinem Gefühl sind die tollen Landschaften, die das Klettern mit sich bringt, genauso wichtig wie (wenn nicht wichtiger als) das Klettern selbst. Ich versuche so viel von der Szene einzufangen wie ich kann, von daher bin ich ein wenig ein Weitwinkelfetischist (siehe Bild 1).

Bild 1: Tolles Bild eines Weitwinkelfetischisten

Bild 1: Tolles Bild eines Weitwinkelfetischisten

Gibt es ein Lieblings-Kletterbild von Dir? Eines mit einer besonderen Geschichte dahinter?

Ja, absolut: Ich habe mal ein Bild von Hayley Brown gemacht, wie sie den Bogen am Panther Beach in Santa Cruz, Kalifornien klettert. Das Foto als solches ist schon ziemlich klasse, eine sehr schöne Silhouette in einer tollen Körperposition an einer spektakulären Felsformation. Wenn Du allerdings nah genug an Hayley heranzoomst, dann siehst Du im Ozean hinter ihr, genau unter der Krümmung ihres Rückens, die Flosse eines Haies aus dem Wasser kommen. So gut wie keiner guckt so genau, aber genau deshalb ist das mein Lieblingsbild (Bild 2)!

Bild 2: Vergrößern um den Fisch zu sehen!

Bild 2: Vergrößern um den Fisch zu sehen!

Was war der größte technische Aufwand, den Du jemals für ein Bild betrieben hast?

Überraschenderweise war der größte technische Aufwand für ein Foto in einer Einseillänge beim Sportklettern. Um das Licht und den Aufnahmewinkel richtig hinzubekommen bin ich eine Route links davon mit der Kamera in meiner Hand vorgestiegen – dann hing ich fast eine Stunde lang in der Luft, in der Hoffnung, dass sich das Licht in meinem Sinne ändert. Ich wusste schon, welchen Bildausschnitt ich wollte, aber der verfügbare Platz war zu klein und die Route war sehr in eine Ecke gedrängt. Mir war schnell klar, dass ich den Kletterer nie auf ein Bild mit dem Hintergrund bekommen würde, den ich wollte. Ich hab mich dann entschieden mit den letzten Strahlen des Tageslichts 7 hochformatige Bilder als Panorama überlappend zu fotografieren (ohne Stativ) und darauf zu hoffen, sie mit Photoshop zusammen zu basteln. Das hat super geklappt, und es ist ein wunderbares Bild dabei herausgekommen. (Bild 3)

Bild 3: Photoshop hilft!

Bild 3: Photoshop hilft!


Wie stark bearbeitest Du Bilder am Rechner in der Regel nach? Kannst Du uns ein Beispiel zeigen?

Im Rahmen der Digitalfotografie mache ich sehr wenig nachträglich am Rechner. Die meiste Zeit mit Photoshop besteht einfach aus Nachschärfen, Farbsättigungsänderungen und Weißabgleich, manchmal noch Abschneiden von unscharfen oder störenden Bildelementen. In der Regel brauche ich zwischen einer und drei Minuten um ein Bild fertig zu stellen und in ein jpg umzuwandeln. (Vergleiche Bild 4/5)

Bild 4: Vor Photoshop

Bild 4: Vor Photoshop

Für dieses Bild habe ich den Weißabgleich ein wenig in Richtung gelb verschoben, die Schärfe so weit angehoben wie es das RAW-Format hergab, das selbe mit der Farbsättigung und dann hab ich die kleine unscharfe Yucca-Palme im linken Bildausschnitt weggeschnitten.

Bild 5: Nach Photoshop

Bild 5: Nach Photoshop

Verschlusszeit=1/400; Blende=5; ISO=100, mit Polfilter

 

Was stellst Du mit Deinen Bildern an, wenn sie fertig sind?

Die meiste Zeit fotografiere ich an Orten und Routen, die mir ästhetisch ansprechend und ungewöhnlich erscheinen – größtenteils nur zum Spaß – um dann später zu entscheiden, wo ich sie einreichen will. Meine besten Bilder habe ich gemacht, bevor ich an eine Veröffentlichung gedacht habe. Ich knipse regelmässig für meine Kolumne und monatlichen Beiträge im Sierra Lodestar, aber wenn ich ein besonders spektakuläres Bild habe, dann schicke ich es zum Climbing Magazin, damit sie es in ihrer Gallerie veröffentlichen. Wenn ich eine Idee für einen guten Magazinartikel habe mache ich aber auch Bilder, die speziell zu dem Beitrag passen.

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kletterfotos von “Anfängern” immer den typischen “Arsch an Fels”-Stil haben. Was würdest Du

A) einem Anfänger

B) einem Fortgeschrittenen

C) einem Profi

als Tipps mit auf den Weg geben, ohne zu viele Deiner Geheimnisse preiszugeben?

A) An Anfänger: Bilder von einer höheren Position aus werden bessere Kletterbilder – und lösen das Problem mit den “Arschfotos”. Obwohl ich einige meiner besten Bilder vom Boden aus aufgenommen habe, erzielt eine Perspektive bessere Bilder, die die Ausgesetztheit des Kletterers und sein Gesicht zeigt.

B) An Fortgeschrittene: Ich habe über die Jahre einige “Regeln” aufgestellt, die aber nicht alle auf alle Situationen passen, und es gibt ganz offensichtlich Bilder, die alle Regeln brechen. Genau genommen ist eine meiner “Regeln”: Sei bereit, alle Regeln zu brechen! Trotz allem, hier ein paar hilfreich Tipps:

1. Wenn der Kletterer den Großteil des Bildausschnittes ausfüllt, dann ist es wichtig, dass man die Augen des Kletterers sieht (oder zumindest erkennt, wo der Kletterer seine Aufmerksamkeit hat. Beispiel: Es ist offensichtlich, dass der Kletterer einen Tritt oder einen Griff ansieht.) Das ist schwer, wenn der Kletterer weit weg ist und in einer weiten Landschaft untergeht. Zum Anfang, feuer Deine Bilder ab, sobald der Kletterer Dich anguckt.

2. Immer sehr bunte T-Shirts dabei haben und Deine Motive (Kletterer) sie anziehen lassen, wenn sie langweilige Sachen anhaben. Das ist WICHTIG.

3. Daran muss ich selbst noch arbeiten: Ehe ich ernsthaft Bilder mache, lass ich jemanden die Route mindesten einmal klettern. So kann ich die Route ohne den Fotografierstress in Ruhe ansehen und die besten Bewegungen und Ausschnitte suchen – dann erst bereite ich alles auf diesen Aspekt vor.
Achte darauf, wohin der Kletterer schaut, so dass Du seine Augen während dieser Bewegung drauf bekommst. Mach Dir klar, dass der Schlüsselzug in einer Route nicht immer der ästhetischte Zug oder Ausschnitt der Route ist.

4. Scheu Dich nicht, den Kletterer zu dirigieren! Das kann sich komisch anfühlen, besonders wenn Du in einer Route fotografierst, die dem Kletterer schwer fällt. In diesem Fall solltest Du den Mund halten und ihn klettern lassen; wenn Du aber etwas im Könnensbereich des Kletterers aufnimmst, und Zeit hast, dann schlag ihm ruhig Bewegungen und Körperpositionen vor. Trau Dich dabei auch, ihn zu bitten, die Route noch einmal zu klettern, wenn Du das Bild nicht drin hast.

C) An Profis: Ihr seid wahrscheinlich viel fitter als ich! Aber wenn Du es noch nie versucht hast, ich würde mal einen abgestufen Neutral-Filter (Graufilter) bei Abendlicht für helle Landschaftsbilder oder an scharfen Felskanten ausprobieren.

 

Deine Abschlussworte:

Man sagt “Tue was Du liebst und Du musst keinen Tag in Deinem Leben arbeiten”…Naja, das ist nicht ganz wahr, aber zumindestens kannst Du abends zufrieden nach Hause gehen und stolz darauf sein, dass Du das tust, was Dich am meisten ausfüllt.

Ich würde sagen, dass es ein guter Start ist, zu lernen Deine Kamera zu bedienen, um in die Kletterfotografie einzusteigen – aber Klettern zu lernen, Dich ganz dem Sport hinzugeben, seine Kultur und Geschichte zu erfahren und die technischen Aspekte (Seile, Sicherungssysteme) zu verstehen, sind bei weitem die nützlicheren Werkzeuge für umwerfende Kletterfotos.

An dieser Stelle möchte ich all denen, die mir mit Ratschlägen und Ermutigungen geholfen haben, meine immer-noch-in-den Anfängen-steckende Karriere zu starten, folgendes sagen: Vielen vielen Dank dafür!

 

Und ich möchte nochmals Dean danken für seine bereitwillige Offenheit, seine Erfahrung zu teilen. Es hat mit viel Spaß gemacht, dieses Interview zu erstellen. Wenn Du selbst Fotograf ist (egal welcher Level) und an unserer Interviewserie teilnehmen möchtest, schreib und einfach eine mail.

Der nächste Fotograf in unserer Interviewreihe ist Garrett Grove!

Wenn Du Dean eine Nachricht oder einen Kommentar zukommen lassen möchtest, dann nur zu:

Category: Interview, Kletterfotografie

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