Grifftechnik – Teil 1: Grundlagen

richtiges Greifen, Grifftechnik

richtiges Greifen

Die verschiedenen Griffe “richtig” belasten.

Es heißt immer so schön “geklettert wird mit den Beinen”, doch gehört das Greifen natürlich ebenso zu den wichtigsten Dingen der Klettertechnik. Dabei ist das richtige Verständnis vom Greifen notwendig, denn Du willst beim Klettern viel Reibung (eine große Haltekraft) mit so wenig Kraftaufwand wie möglich erreichen.

“Weich greifen” (gesondertes Thema) ist ein wichtiger Punkt dabei, die Greifmöglichkeiten bzw. -techniken für die unterschiedlichen Griffformen ein anderer. Egal was für einen Griff Du vor Dir hast, denk immer daran, möglichst viel Fläche zu nutzen um die Reibung zu erhöhen (Formschluß). Frei hängende Finger erzeugen keine Reibung. Der Daumen darf ebenfalls genutzt werden. Manche Griffe werden überhaupt erst haltbar, wenn der Daumen den Fingern gegenüberliegt und von hier Kraft auf den Griff (gegenläufige Kräfte) bringt.

Einige verschiedene Griffe und passende Greiftechniken:

positiver Griff oder Obergriff

Obergriff, positiver Griff

Obergriff, positiver Griff

Die Finger greifen so weit wie möglich in den Griff und haken am ersten, zweiten oder dritten Fingergelenk ein. Wenn möglich konter auch bei diesen Griffen mit dem Daumen.

Untergriff und Seitgriff

Im Prinzip die gleich Griffart, der Name ergibt sich aus der Belastungsrichtung.

Untergriff

Untergriff

Ein Untergriff wird von unten gefasst und ist besser zu belasten, je höher der Fuß steht. Es wird mehr Körperspannung benötigt, denn die erzeugte Kraft, wird durch die Arme, den Rücken und die Beine auf den Fuß übertragen. Hier wird größere Reibung erzeugt, da die Hand den Körper “herunter zieht”. Untergriffe sind vor allem nützlich zum Überwinden großer Griffabstände und in überhängenden Wänden.

Ein Seitgriff wird ebenfalls entgegengesetzt zu den Füßen belastet; auch hier wird die

seitliche Kante

Kante als Seitgriff

Spannung zwischen Hand und Fuß benötigt. Seitgriffe eignen sich sehr gut zum Eindrehen (entsprechendes Thema) oder zum Traversieren.

Sloper

Sloper

Sloper

Ein Sloper ist ein Aufleger. Der Name sagt schon, was getan werden muss. Du legst die gesamte Hand möglichst formschlüssig auf, so dass möglichst viel Reibung (=Haltekraft) entsteht. Ein Sloper hat nämlich weder Kanten noch Leisten, an denen Du Dich mit den Fingern halten kannst. Wichtig bei Slopern ist, dass Du Deine Hand richtig auflegst – mit soviel Kontakt zum Griff wie möglich – und vor allem auch Deinen Körper und Deine Füße so positionierst, dass die Reibungskraft für den Halt ausreichend ist.

Sloper

Bleau-typischer Sloper

Leisten und Kanten

Kleine Leisten und Kanten lassen es nicht zu, dass sich mehr als ein oder zwei Fingerglieder am Griff befinden. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten die Griffe zu greifen und zu belasten:

1)Finger aufgestellt:

aufgestellte Finger an einer Leiste

aufgestellte Finger

 

Durch extreme Spannung zwischen erstem und zweiten Fingergelenk wird viel Reibung auf kleinster Fläche erzeugt. Ich selbst nutze diese Technik sehr oft, obwohl sie nicht die fingerschonendste ist. Die Ringbänder werden sehr stark belastet und vor allem wenn die Gelenke, Sehnen und Bänder nicht an diese Belastung gewöhnt sind, besteht die Gefahr von Ringbandrissen und ähnlichem.

hängende Finger, gestreckte Finger

"hängende" Finger

2) Finger gestreckt bzw. hängend:

 

Schonender für die Finger ist es, das erste und wenn möglich zweite Fingerglied aufzulegen und die Finger gestreckt “hängen” zu lassen. Allerdings wird dabei nicht soviel Reibung produziert wie bei aufgestellten Fingern. Wichtig ist, dass Du den möglichst Griff lotrecht belastest, sonst rutschen die Finger ab. Diese Grifftechnik kannst Du übrigens ebenso bei Seit- und Untergriffen anwenden. Die Technik ist gleich, nur die Belastungsrichtung eine andere.

Finger spitz aufgestellt:

Die Finger spitz aufzustellen ist eher eine Ausnahme. Nur wenige Griffe haben eine schmale Hinterschneidung, so dass sich diese Technik anwenden lässt. Draußen gibt es manchmal abgeplatzte “Schollen” oder schmale Einschnitte im Fels, an denen sich die Finger spitz aufstellen lassen.

Zangengriff oder Klammergriff

Zangengriff

Zangengriff

Finger und Daumen belasten den Griff aus verschiedenen Richtungen. Je nach Größe, d.h. Breite und Tiefe des Zangengriffs ist dieser gut oder weniger gut zu belasten, erfordert aber immer eine relativ große Handkraft. Die benötigte Kraft kann häufig durch gute Beinarbeit und Körperpositionierung verringert werden.

Fingerloch, Grifftechnik

Fingerloch

Fingerlöcher

Fingerlöcher sind nichts anderes als positive Griffe, allerdings passt eben nur ein Finger (manchmal auch zwei) hinein. Fingerlöcher könnt oftmals “entschärft” werden, indem der Daumen gut positioniert wird und den Finger entlastet. Welcher Finger ist der stärkste? Fingerlöcher nimmst Du am besten mit Mittel- und/ oder Ringfinger, denn diese sind die stärksten.

Daumen 

halb aufgestellte Finger, Daumen mitbenutzen

Daumen mitbenutzen

Der Daumen sollte soviel wie möglich mitbenutzt werden. Nicht nur bei Zangen und Fingerlöchern ist er hilfreich. Bei aufgestellten Fingern kann mit dem Daumen ebenfalls zusätzlich Kraft übertragen werde. Nutze den Daumen bei möglichst jedem Griff.

Risse

Risse sind sehr unterschiedlich. Manchmal passen nur Finger hinein, manchmal die ganze Faust. Einfach gesagt gilt: Möglichst viel Finger in den Riss schieben und verklemmen. So einfach das klingt: Es ist nicht leicht, eine für das Halten effektive und auch schmerzarme Position zu finden.

Stützen oder Drücken 

Sützen und Drücken mit den Armen

Stützen

Um den Fuß zu entlasten oder/ und den Körperschwerpunkt zu verschieben, ist es oft hilfreich auf Griffen oder an der Wand zu stützen. Auch hierbei gilt: Je mehr Handfläche an Griff oder Wand ist, desto höher ist die Reibung und die dadurch entstehende Kraft. Am besten ist es also auf der ganzen Hand oder dem Handballen zu stützen. Je nach Griffart und Reichweite kann aber auch mit den Fingern gedrückt werden.

Das Wichtigste zum Schluss:

Seid einfallsreich, sei kreativ! Es gibt nicht nur “die” Kante oder “den” Seitgriff, sondern eben auch senkrechte Kanten; und sloprige Seitgriffe, Sloper mit Kanten oder Zangen, die man einseitig als Seitgriff nehmen kann. Unzählige Griffvarianten bieten unzählige Möglichkeiten. Kleine Finger oder große Finger – ganz egal: probiert aus, was geht.

Tags: , , , , , , ,

Category: Klettern, Klettertechnik

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *